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Ausweisung neuer Baugebiete – Redebeitrag Hannes Schiller

Wir Grünen haben mit der Ausweisung neuer Baugebiete zunächst durchaus ein Problem – und ich will die Bedenken auch hier ansprechen:

Sicher wird die Entwicklung eines Neubaugebietes „Am Nußbaum“ bzw. im Bereich der Flur „Auf dem Nußbaum“ am äußeren Rand des Solmser Stadtteils Oberbiel von vielen Menschen gewünscht und als eine Steigerung der Attraktivität der Stadt Solms verstanden. Ein Neubau an dieser Südhanglage verspricht zudem die Möglichkeit, ein modernes und energetisch nachhaltiges Gebäude mit günstiger Unterhaltung und gutem Wohnkomfort zu bewohnen.
Natürlich kann ich auch gut verstehen, dass eine junge Familie lieber in der ruhigen Ortsrandlage wohnen möchte als im verkehrsbelasteten und engen Kern einer unserer Stadtteile.

Und doch muss man sich auch kritische Fragen stellen, die über die Interessen des einzelnen hinausgehen, uns als Stadt Solms alle betreffen und unsere Ziele des Klimaschutzes betreffen:

  • Was bedeutet diese Entscheidung für die zukünftigen Generationen in Solms?

  • Werden sie die Kosten einer Ausdehnung der Infrastruktur mit einer dann geringeren Einwohnerzahl tragen wollen?

    Wir haben eine zurückgehende Einwohnerzahl auch in Solms. Wir gehen für 2015 von einem Rückgang auf 13250 Einwohner und bis 2022 auf ca. 12800 Einwohner aus (Zahlen des Konsolidierungs- bzw. Klimaschutzkonzeptes).
    Auch wenn neue Baugebiete ggf. diese Prognosen nach oben beeinflussen können, so wird der demographische Wandel nicht grundsätzlich an Solms vorbeigehen.
    Sollten wir uns im Zeichen des Klimawandels nicht in erster Linie um den Umbau des vorhandenen Wohn- und Baugrundbestandes kümmern? Wir haben einen stetig steigenden Bestand an Wohnflächen.

  • Sind die fortschreitende Versiegelung und der Landschaftsverbrauch zu Wohnzwecken unter diesen Vorzeichen vertretbar?

Kann man also bei diesen Überlegungen eine Ausweitung der Bebauungsfläche in Solms mit überzeugenden Argumenten verantworten?

Zunächst können wir feststellen, dass die letzten Bebauungsprojekte in Solms einigen dieser Überlegungen gerecht geworden sind. Sowohl die Bebauung des innerörtlichen Areals „Lahnstraße“ als auch die Bebauung „Wohnpark Solmsbachtal“ an der Stadionstraße stellt eine gut vertretbare städtebaulichen Maßnahme dar. Sie hat ein bereits erschlossenes Gebiet für Wohnzwecke verdichtet, die vorhandene Infrastruktur genutzt und und sie hat bis auf ganz wenige Ausnahmen auch Käufer gefunden.
Sogar die ausgesprochen fragwürdige Ausweisung des Baugebietes „An den Viehgräben“ hat die Stadt durch die Randerschließung im oberen und unteren Bereich noch zu einem akzeptablen Abschluss gebracht. Daneben sind erkennbar in den Stadtteilen auch etliche Baulücken nach und nach geschlossen worden.
Das geplante Baugebiet  „Am Nussbaum“ in Oberbiel stellt allerdings eine erhebliche Ausweitung des überplanten Stadtgebietes nach außen dar. Die eingangs genannten kritischen Faktoren treffen hier zu.
Ihnen kann nur dadurch verantwortungsvoll begegnet werden, dass man dort die Chance nutzt, ein Baugebiet mit beispielhaft nachhaltigen Standards umzusetzen.

Konkret sollten danach folgende Anforderungen an einen Bebauungsplan gelten:

  • energetisch orientierte Wohngebäudeausrichtung - Ost-West Firstausrichtung,
  • Maßnahmen zur Reduzierung der Versiegelungsflächen -  Vorgaben von wasserdurchlässigen Materialen für befestigte Flächen, Zisternenbau zur  Regenwassernutzung und zum Hochwasserschutz,
  • Vorgaben zur energieeffizienten  Wärmegewinnung – BHKW, thermische Solaranlagen,
  • Bevorzugung von besonders energiesparenden Bauvorhaben – Niedrigenergiebauweise, Passivhausbauweise,
  • eine frühzeitiges Beratungsangebot in Fragen des energieeffizienten Bauens durch die Stadt – Einbindung der Klimaschutzmanagerin und des Netzwerkes der 100% Erneuerbaren Energie-Region,
  • städtische Unterstützung bei der Inanspruchnahme von Fördermöglichkeiten durch Bund und Land.

 

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch verstärkt der grundsätzlichen städtebaulichen Entwicklung in Solms stellen. Wir haben auch hier in Solms eine alternde Bevölkerung mit dem einhergehenden Bedarf einer Veränderung der notwendigen und gewünschten Wohnstrukturen. Schon heute leben in vielen geräumigen Einfamilienhäusern nur noch zwei, oft nur noch eine Person. Der weitere Ausbau von Wohnmöglichkeiten in den Randbereichen des Stadtgebietes ist nicht unbedingt eine sinnvolle Perspektive für die zukünftigen demographischen Erfordernisse. Vielmehr müssen wir mit mehr Phantasie als bisher über altersgerechte Konzepte des Wohnens nachdenken.
Und dabei sollten vor allem die innerstädtischen Möglichkeiten im Vordergrund stehen. Ansonsten wird es neben dem grundsätzlichen Rückgang der Bevölkerung zusätzlich eine Wanderbewegung im Alter geben und damit eine weitere soziale und wirtschaftliche Verschärfung der Lage in unserer Stadt.

Um es in einem Satz zu sagen: Unsere Hauptneubaugebiete müssten in Zukunft die innerörtlichen Flächen, die Ortskerne werden.

Trotz der dargestellten Einschränkungen trägt unsere Fraktion die Aufstellung des Bebauungsplanes in Oberbiel mit – wir verbinden damit allerdings auch den Anspruch, bei der Ausgestaltung der Satzung des Bebauungsplanes die Entwicklung eines zeitgemäßen, umweltverträglichen und nachhaltigen Baugebietes sicherzustellen.



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