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Solmser Grüne sind für den Erhalt der Bahntrasse im Solmsbachtal

Rede Jens Rödel zur Bauleitplanung „Im Krautgarten“

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte es gleich vorwegnehmen und sagen, dass wir als Fraktion der Bauleitplanung nicht zustimmen können, eine Zustimmung sogar für einen schwerwiegenden irreparablen Fehler halten.

Wir sehen natürlich den Bedarf für Wohnraum. Auch ein Lückenschluss zur angrenzenden Bebauung scheint ein gutes Argument für ein Baugebiet an dieser Stelle zu sein.

Doch wer schon mal dort war, wird sicherlich gesehen haben, dass ein großer Teil des Gebietes eine starke Hanglage aufweist und in den Nachmittagsstunden die Sonne diesen Bereich nicht mehr erreichen wird.

Hierdurch ist das Gebiet als Wohngebiet aus unserer Sicht nicht geeignet. Nicht nur, dass diese nicht zum Wohlbefinden der Bewohner beiträgt, es lassen sich die Gebäude auch nicht für eine solare Energiegewinnung nutzen.

Das Hauptargument gegen die vorgelegte Planung – und das meine sehr verehrten Damen und Herren – ist aus unserer Sicht die unwiderrufliche Beseitigung der vorhandenen Bahntrasse durch die Errichtung eines Baugebietes an dieser Stelle.

Uns sind auch die Argumente derer bekannt, die sagen, dass die Bahntrasse sowieso nicht wieder in Betrieb genommen werden könne, weil bereits in Neukirchen ein Gebäude im Bereich der Strecke errichtet wurde und der Tunnel in Burgsolms zugeschüttet sei. Dies sind aus unserer Sicht aber keine Hindernisse für die Reaktivierung. Der Tunnel kann wieder frei gegraben werden und das Gebäude beseitigt, deren rechtmäßige Errichtung sowieso in Frage zu stellen ist.
Die Kosten für diese Maßnahmen sind sicher weitaus geringer, als eine neue Trassenplanung und Errichtung an anderer Stelle, wenn dies überhaupt jemals möglich sein würde

Die Verkehrswende, die aus klimapolitischer Sicht und im Interesse der Bürger unbedingt erforderlich ist, wird erschwert, wenn die bereits heute vorhandene Struktur beseitigt wird. Man kann nicht dem Klimabündnis Hessen beitreten und dann den Weg für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs verbauen.

Die vielen sinnvollen und wohl überlegten Argumente der Fahrgastverbände und Verkehrsclubs sind Ihnen allen mit dem Schreiben vom 25.09.2019 zugegangen und daher möchte ich Sie nicht mit Wiederholungen langweilen, nur nochmal an die positiven Auswirkungen für Pendler und den Tourismus erinnern. Über die Verkehrsbelastung der Anwohner in der Burgsolmser Krautgärtenstraße wurde gerade letzte Woche in der WNZ im Zusammenhang mit der Errichtung der Tempo-30-Zone berichtet.
Jeder, der mit der Bahn diese Strecke fahren würde, entlastet damit den Straßenverkehr und somit die Anwohner.

In Presseberichten der WNZ wurde ebenfalls darüber berichtet, dass grundsätzlich alle betroffenen Kommunen entlang der Trasse für oder zumindest neutral zu einer Reaktivierung stehen, außer der Stadt Solms. Mir ist aber nicht bekannt, dass wir in diesem Gremium jemals darüber abgestimmt – und uns dazu öffentlich eine Meinung gebildet haben. Heute haben wir die wohl einzige und vielleicht letztmalige Gelegenheit dazu.

Auch wenn eine Reaktivierung der Strecke nicht leicht wird und auch noch Jahre benötigen wird, können wir mit einer Entscheidung für ein Wohngebiet an dieser Stelle den nachfolgenden Generationen nicht die Möglichkeiten verbauen.

Diesen schwerwiegenden Fehler dürfen wir nicht begehen

Wohngebiete können auch an anderer Stelle errichtet werden. Eine Bahntrasse wohl kaum.

Ich hoffe, dass Sie meinen Argumenten folgen und diese Maßnahme verhindern. Im Interesse unserer Bürger und nachfolgender Generationen.

Vielen Dank


 



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